Alles hat ein Ende

Wir kämpfen derzeit an vielen Fronten. Zwischen Corona, Quarantäne und Trotzphase wissen wir oft nicht, wo oben und unten ist. Und weils vorher zu langweilig war, ist seit einigen Monaten nun Kind 2 dabei und natürlich der bestimmende Faktor. Der Kleine stellt das bereits vorherrschende Chaos nochmals auf den Kopf. Selbigen kühl zu bewahren ist momentan die größte Challenge eines immer gleichen und doch ständig unterschiedlichen Tages.

So wirr wie das klingt, ist es leider wirklich. Denn spätestens seit K2 eine Woche vor Termin entschieden hat, dass es höchste Zeit für seine Release Party ist, kann man jegliche Art von Ordnung oder Planung getrost vergessen. Das ging schon mit der erwähnten Geburt selbst los.

Kuckuck da bin ich

Am Mittwoch nach Ostern waren glücklicherweise die Großeltern sowieso zu Besuch. Zwar wollten sie, auf Geheiß von Mama Planlos‘ Gefühl „ach, das dauert noch“, am Abend die Heimreise antreten und bei Beginn der Wehen irgendwann in den kommenden Tagen dann die Tour aus Magdeburg erneut antreten. Doch es kam anders: wie bei K1 setzte ohne Vorwarnung eine geplatzte Fruchtblase die Kette der Ereignisse in Gang. Im Glauben, mindestens noch 2-3 Stunden Zeit zu haben, ehe wir zum Krankenhaus aufbrechen müssten, ging die Schwangere noch einmal duschen. Doch keine Stunde später saßen wir bereits im Auto gen Friedrichshain. Auf der etwa 15 minütigen Strecke musste die Frau nach eigener Aussage das Pressen bereits arg unterdrücken.

Am Kreißsaal angekommen waren die Wehen dann bereits sehr häufig und stark. Ich brachte die bald zweifache Mutter zum Eingang und übergab sie einer Hebamme, um anschließend kurz das Auto zu parken. Maximal 1-2 Minuten später kam ich zurück und fand die Frau bereits ohne Hose aber noch mit dicker Winterjacke an einer Bank kniend und schreiend im „Vorwehen“-Zimmer wieder. Keine 15 Minuten später ging es weiter in den Kreißsaal, wo die Gebährende alsbald in identischer Position wie zuvor (auf allen Vieren) erst vor und kurz darauf auf dem großen Krankenhausbett hockte.

Homer Simpson Panic GIF

Es ging alles so schnell, dass gar keine Zeit blieb, die vorher wochenlang erdachten Playlists zu starten, Schmerzmittel zu probieren oder sonstige Positionen zu versuchen (etwa eine Geburtswanne). Letztlich waren eine pausenlose Steißmassage meinerseits sowie eine extra antrainierte Selbst-Hypnose die einzigen Hilfsmittel. Am Ende dauerte es von Fruchtblase bis „Glückwunsch, hier ist Ihr Sohn“ gerade mal knapp 3 Stunden.

Nur nach Hause

Der Plan der Mutter sah vor, im Idealfall nach der Geburt mit Baby gleich nach Hause zu kommen. Das hätte auch beinahe geklappt, doch ein erhöhter Blutverlust der Mama führte zur Beobachtung über Nacht. Als die Lage stabil war, fuhr ich allein um halb 5 Uhr morgens nach Hause. Ich hatte seit abends um 6 quasi nichts mehr gegessen und war hundemüde. Frau und Kind hatte ich schlafend zurück gelassen, die ruhten sich also aus.

Doch trotz zufallender Augen war ich irgendwie noch immer euphorisiert und wollte den Anlass irgendwie nicht einfach so vergehen lassen. Also tat ich das Feierlichste, was man zu solch später bzw. früher Stunde unter der Woche in Berlin tun kann: ich besorgte mir einen Dürüm und ein Jubi im einzigen Dönerladen, der um die Zeit im Umkreis von 5 Kilometern geöffnet hatte und stand kurz darauf schmatzend und auf unseren Sohn anstoßend in der Küche. Anschließend legte ich mich schlafen, nur um keine 2 Stunden später von K1 wieder geweckt zu werden. Ein passender Vorgeschmack auf die kommende Zeit.

Es könnt‘ alles so einfach sein

Und es ging gleich „gut“ los. Die ersten zwei Lebenswochen von K2 hielten direkt 2 Herzinfarkt-Momente für uns bereit. Zunächst litt der kleine Typ (wie ca. 60% aller Neugeborenen) an Gelbsucht. Die ist in aller Regel ungefährlich und verschwindet mit der Zeit von selbst. Nicht so bei ihm. Seine Werte waren extrem schlecht, so dass er für ein paar Tage ins Krankenhaus zur UV-Therapie musste. Zeitweise stand eine Bluttransfusion im Raum, wenn die Therapie nicht binnen weniger Stunden anschlagen würde. Doch zum Glück tat sie es und nach einigen Tagen ging auch die mitunter starke Gelbfärbung langsam zurück.

Schreck Nummer 2 kam nach ziemlich genau 2 Wochen. Der Lütte war noch immer total kaputt von den hinter ihm liegenden Strapazen und schlief viel. Tagsüber legten wir ihn dafür häufig in die elektrische Netzschaukel, die er (anders als seine Schwester damals) oft sehr bereitwillig akzeptiert und darin friedlich schlummert.
An diesem Tag aber wäre ihm die Schaukel beinahe zum Verhängnis geworden. Es kamen einige Faktoren zusammen: das Kind liegt in der Schaukel sehr tief, etwa wie in einer sehr elastischen Hängematte. Dadurch ist der kleine Körper von links und rechts ein wenig zusammen gedrückt, fast schon fixiert (was den kleinen Würmern ja oft tatsächlich hilft, Stichwort „Pucken„). So konnte er sich zwar gut beruhigen und einschlafen, bewegen war aber kaum möglich – und hier entstand das Problem, als ihm plötzlich wortwörtlich „etwas Kotze hoch kam“.
Er konnte sich nicht zur Seite drehen, bewusst aktiv ausspucken auch nicht, also blieb das Zeug in Mund und Hals stecken und das Atmen wurde verhindert. Und das ganze natürlich leise, ganz still, denn normales Schreien geht so dann eben auch nicht mehr richtig. Ein einzelner Mark-erschütternder Schrei, wie ich ihn von dem Kurzen in der ganzen bisherigen (und zugegeben überschaubaren) Zeit noch nicht gehört hatte, riss Mama Planlos und mich aus unseren Gedanken und Tätigkeiten. Wir rannten herbei und versuchten, was wir aus den Erste-Hilfe-Kursen in dieser Panik noch wussten (Bauchlage, Klopfen auf den Rücken, dann Seitlage). Denn das Baby atmete nach wie vor nicht und lief immer mehr rot an.

Ich rief sofort den Notarzt. Das heißt ich versuchte es, denn zuerst hing ich mal über 2 Minuten in der Warteschleife (WTF?!). Anschließend dauerte es weitere 10-15 Minuten, bis der Rettungswagen eintraf. Die Viertelstunde fühlte sich an wie eine Ewigkeit, in der ich ununterbrochen wie ein aufgescheuchtes Huhn umher lief, ständig aus allen Fenstern des Hauses schauend, ob endlich das leuchtend rote Fahrzeug zu sehen wäre. Die Sanitäter eilten nach Ankunft direkt ins Wohnzimmer zum röchelnden Baby, neben dem die Mama die ganze Zeit panisch campiert hatte.

Glücklicherweise hatte das Würmchen mittlerweile das Atmen wieder angefangen, wenn auch sehr flach. Auch die Gesichtsfarbe normalisierte sich seit einigen Minuten, so dass die Rettungsmediziner nicht in Hektik verfielen. Es wurde eine Blutsauerstoff-Messung gemacht, die 98% ergab (also alles gut) und beim Abhören konnte keine Flüssigkeit in der Lunge ausgemacht werden. Weil der Gesamtzustand des Filius sich gegen „normal“ bewegte, wurden keine weiteren Maßnahmen ergriffen.
Das Notarzt-Angebot, den Kleinen zur Beobachtung ins Krankenhaus mitzunehmen, lehnten wir dankend ab. Die Episode vor zwei Wochen hat gereicht und vor Ort hätten sie außer alle paar Stunden nach ihm zu sehen auch nichts tun können. Wir waren ja nun ohnehin für die nächsten Tage auf erhöhter Hab-Acht-Stellung – wenn sich irgendetwas verändert hätte, wir hätten es bemerkt.

Ein Kind ist kein Kind

Allein der aufregende Start mit K2 hat bereits angedeutet, was sich in den nachfolgenden Wochen und Monaten an allen Stellen zeigte: das ist jetzt nochmal ne ganz andere Hausnummer hier.

Ja, beim ersten Kind ist alles anfangs noch aufregender, noch neuer und evtl. auch gefühlt anstrengender weil ungewohnter. Doch objektiv rückblickend betrachtet, ist mit einem Kind und zwei Eltern eigentlich alles easy peasy. Vorausgesetzt das Kind ist gesund und nicht extrem Aufmerksamkeits-bedürftig (hier sei auf diverse Blog-Artikel ab Ende 2017 verwiesen…), kann man sich das irgendwann gut aufteilen, so dass beide Eltern auch Zeit für sich bzw. andere Dinge als Kinderbetreuung haben.

Das hat sich mit dem zweiten Kind sofort erledigt. Ich weiß, das war natürlich absehbar. Das macht es aber nicht besser. Das Baby hängt in der Startphase logischerweise stillbedingt nur an der Mama, also bleibt mir, die Große zu entertainen. Sie pennt ja schon immer viel zu wenig für ihr jeweiliges Alter und das ändert sich offenbar auch nicht mehr. Von den im Mittel 11,8 Stunden Schlafbedarf bei 4-jährigen macht sie idR nur um die 10 Stunden die Augen zu. Knapp 2 Stunden fehlen ihr also, jeden Tag, quasi seit Geburt. Aber gerade im Moment merkt man ihr das immer deutlicher an. Und es verkürzt die Zeit, die ich abends zB für Sport nutzen kann, bevor auch ich ins Bett falle, auf ein Minimum.

So gaaanz langsam geht es jetzt zwar los, dass manche Unternehmungen mit ihr auch mir ein wenig Spaß bringen können. Sei es ein Besuch in der Hüpfburgen-Oase, im Schwimmbad oder wenn man sie mal testweise mit ins Stadion nimmt.

Unterwegs ist sie zudem meist umgänglicher als zu Hause, wo ihr die Umstellung auf den neuen Mitbewohner, der übrigens nicht für ihren Schlafmangel verantwortlich ist, sichtlich zu schaffen macht. Und nicht nur ihr.

Durch

Der Lütte schläft bei der Mama im Bett. Klar, soll er doch bei den kleinsten Anzeichen des Aufwachens die Brust in den Mund bekommen und friedlich weiter schlummern. Während meiner zweimonatigen Elternzeit ab Geburt haben sich die beiden im „Arbeitszimmer“ einquartiert. Der Wickeltisch steht dort drin und somit direkt neben dem Gästebett, das Bad ist gleich nebenan.
Ich lag derweil mit K1 im Schlafzimmer und wurde mehrmals die Nacht per Telefon auf meinem Fitness-Armband (das ich eigentlich ausschließlich als Wecker nutze) angebrummt, wenn die beiden eine Etage tiefer ein Milch-Fläschchen brauchten. Oder wenn die Frau den Kleinen nicht mehr halten konnte, weil sie einfach völlig erschöpft war. Dann übernahm ich den Krümel und trug ihn durch die Gegend oder saß mit ihm auf dem (verdammten!) Gymnastikball. Und alle gähnten um die Wette, wartend bis der Mini-Me endlich die Augen schließen würde.

Wir wussten von vornherein, dass es hart werden würde. Besonders die Anfangszeit. Ich selbst war bis zuletzt nicht von der Vorstellung, die Familie zu vergrößern, sonderlich begeistert. Sah ich dabei doch hauptsächlich die Probleme und unangenehmen Dinge wie eben Schlafmangel, übermäßigen Kontakt mit Körper-Flüssigkeiten und die freiwillige Aufgabe eines nach Jahren wieder einigermaßen entspannten Lebens.
Auch nach der Geburt tat ich mir eine Zeit lang schwer damit, die neuen Tatsachen zu akzeptieren – wir sind jetzt das, was sich Traditionalisten als DIE deutsche Klischee-Familie vorstellen: Mutter, Vater, Tochter, Sohn, Eigenheim, Auto.
Mittlerweile klappt das mit meiner Akzeptanz aber die meiste Zeit besser. Dennoch schultert Mama Planlos zweifelsfrei die größere Last, muss sie doch das Baby verglichen mit K1, wo wir uns damals zu zweit nur um ein Kind kümmern mussten, nun mehrheitlich allein betreuen. Auch, weil der Kleine mich als beruhigendes Betreuungs-Element bisher nur kurzfristig annimmt. Nach wenigen Minuten ist die Sehnsucht nach Mama meistens zu groß und die Sirene wird angeworfen.

Die antizipierten Spannungen, Streits und Handgemenge zwischen seinen Eltern ließen nicht lange auf sich warten und waren/sind regelmäßig und teilweise heftig. Mehr als uns beiden lieb ist. Der Mix aus Erschöpfung, zum Teil daraus resultierender Unachtsamkeit, hormonellem Chaos und extrem leichter Reizbarkeit führt mitunter dazu, dass wir uns am Rande des Endes bewegen. Wo wir einfach keinen Bock mehr haben und alles hinschmeißen wollen. Mal die eine, mal der andere, mal beide. Zumindest sagen wir das in solchen Momenten, in denen man ungefiltert alles raus lässt. Was davon man letztlich wirklich ernst meint, bleibt ungewiss. Und bisher (toi toi toi) beruhigt sich die Gemütslage früher oder später immer wieder.

Sicher auch, weil man natürlich ganz genau weiß, dass es eigentlich keine Alternative gibt. Wir müssen da jetzt gerade durch. Es hilft dabei allein die Hoffnung auf baldige Besserung und die Gewissheit, dass zumindest die Dinge, die uns derzeit den letzten Nerv rauben, irgendwann von selbst verschwinden werden. Haben sie bei K1 ja auch getan.

Grinsebert

Und tun sie ehrlicherweise ja auch jetzt schon. Der Lütte kommt zB allmählich in so etwas wie einen Schlaf-Rhythmus. Wacht nachts idR nicht mehr ganz so oft auf („nur“ noch 2-3 mal pro Nacht…). Schläft meistens relativ schnell ein. Allerdings ist er seit Beginn bekannt als Mr. Powernap, denn länger als 30 Minuten dauern seine Tages-Schläfchen oft nicht. Man kennt ihn außerdem noch als Sir Schweißfuß, weil er grundsätzlich feuchte Mauken hat, egal ob mit oder ohne Socken. Hoffentlich legt sich das irgendwann, bevor er oft und lange Schuhe trägt. Denn meine Erinnerung sagt mir, dass ich selbst in Kinder- und Jugendjahren meine Füße häufig als Biowaffe einsetzen konnte. Und den Duft der zugehörigen Treter will ich gar nicht erst erwähnen – da könnte was Erschreckendes auf uns zu kommen.

Zu uns gekommen sind inzwischen im Übrigen alle nahen Verwandten, um sich ein Bild vom neuen Familienmitglied zu machen. Doch nicht nur seine Omas, Opa, Onkel und Tanten sind immer gleich entzückt, wenn sie ihm begegnen. Alle freuen sich, wenn sie ihn sehen und staunen als erstes sofort über seine Haarpracht.

Die ist nämlich seit Tag 1 enorm, seitdem stetig gewachsen und musste mittlerweile bereits gestutzt werden, damit er überhaupt noch was sehen kann. Seine Mama hatte ihm schon testweise einen Zopf (bzw. die gute alte Asi-Palme) gemacht und spätestens nach meinem energischen Protest eingesehen, dass am ersten Haarschnitt kein Weg vorbei führte. Und das mit gerade 4 Monaten.

Doch nicht nur freuen sich alle Leute über ihn, auch er freut sich wenn er jemanden sieht. Egal wen. Jedes Lächeln wird erwidert, meist sogar mit einem noch breiteren Grinsen verstärkt. Er ist ein freundliches kleines Kerlchen, das muss man schon sagen. Das macht es mir mittlerweile auch immer einfacher, über die unbestritten vorhandenen Mühseligkeiten häufig hinweg zu schauen. Und Mama Planlos ist ja sowieso bis über beide Ohren verliebt in den Winzling, würde ihn am liebsten auffressen.

The Passenger

Leider fährt er bisweilen nicht immer gerne Auto – verständlich, so eingeengt in der Baby-Schale und ohne vernünftigen Blick nach draußen. Schlechte Straßenverhältnisse und ständiges Stehen an der Ampel tun ihr Übriges für die mobile Unlust und dennoch haben wir schon ein paar längere Trips gewagt. Alle Richtung Norden: bei der Uroma in Oranienburg war Baby bereits zweimal, außerdem in Neuruppin bei der Verwandtschaft und ebenfalls zweimal sogar schon am Meer. In den Sommerferien (in die unsere Kita immer 2 ihrer 4-5 Wochen jährlichen Schließzeit legt, danke nochmal dafür) ging es für ein paar Tage nach Greifswald und kürzlich nochmal für ein langes Wochenende nach Usedom.

Das klappte alles insgesamt relativ gut, von einigen lautstarken Eskapaden und durch spontane Windelfüllungen erzwungenen Zwischenstopps mal abgesehen. Generell stellen wir fest, dass oft Rückfahrten am Abend nach Kurzausflügen am Tage den Kleinen am meisten stressen. Immer wenn es vorher über mehrere Stunden viel zu sehen und parallel zu wenig Schlaf gab, ist er später verständlicherweise durch und einfach „drüber“. Da schreit er dann auch mal eine Dreiviertelstunde durch, während wir durch die halbe Stadt nach Hause fahren. Äußerlich versucht man dann solange es geht, die Ruhe zu bewahren. Innerlich ist dieser Kampf (zumindest bei mir) binnen Sekunden verloren.

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Auch die Fahrten zur Corona-Impfung für Mama und Papa waren nicht gerade angenehm. Zwar tagsüber, aber zur Rush Hour bis beinahe zur Messe – durchgängiges Stopp-and-go fördert den Kindesschlaf offenbar nicht. Das Impfen übernahm bei uns Mama Planlos‘ Frauenärztin, die sich kurz nach Babys Geburt meldete und uns einen Termin anbot. So waren wir vglw. früh mit beiden Pieksen durch und konnten ab Mitte Juli ein wenig befreiter am Leben teilhaben.

Pest und Cholera

Das Bisschen Normalität nach der Biontech-Immunisierung wich alsbald dem derzeit allgegenwertigen Thema: die Wahlen. Plural, weil wir in Berlin an diesem Wahlsonntag gleich vier Abstimmungen haben werden – Bundestag, Abgeordnetenhaus (Senat), Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und ein Volksentscheid.

Entsprechend gibt es auch umso mehr Themen und Wahlprogramme, mit denen man sich vorab auseinandersetzen kann. Sofern man die Zeit dazu hat. Für faule und/oder schwer-beschäftigte Menschen gibt es glücklicherweise Wahl-O-Mat und Co. (zB Wahlkompass, WahlSwiper oder Berlin-O-Mat), die einem zumindest eine grobe Richtung weisen können, welche Parteien man sich evtl genauer ansehen sollte. Eine konkrete Wahl-Empfehlung ist das freilich nicht, was sich in meinem Fall auch daran zeigt, dass von den Top 6 Parteien, die mir der Berlin-O-Mat für die BVV ausspuckt, die erste bei gerade mal 60% Übereinstimmung liegt, die letzte aber auch noch bei 54% – also alle ganz dicht beisammen.

Das hilft natürlich erstens kein bisschen weiter und zeigt mir zweitens nur einmal mehr, dass kein Parteiprogramm meine Ansichten und Vorstellungen wirklich widerspiegelt. Es gibt bei fast allen einige Punkte, die ich befürworte, aber eben auch immer solche, die ich ablehne. Dasselbe Spiel wiederholt sich im Übrigen bei den Partei-Vergleichen zu den größeren Wahlen, je nach Tool mit teils etwas größerer Streuung als oben erwähnt. Aber dass mal eine Partei bei >70% liegen würde, gibt es kaum. Und wenn doch, dann gibt es irgendeinen Dealbreaker, wie zB „Erhöhung der Rüstungsausgaben“, „EU-Austritt“ oder „Mehr Geld für den ÖR-Rundfunk“. Ich fühle mich von niemandem umfänglich vertreten und ich glaube, so geht es vielen. Das einzig Beruhigende ist, dass die AFD bei mir nie über 30% kommt. Und dass die CDU (ebenfalls bei mir immer auf den hintersten Plätzen) gerade so schön vor die Wand gefahren wird.

Dennoch zeichnet sich der dringend benötigte, große politische Umbruch nicht ab. „Nicht mehr“ muss man sagen, denn die Grünen hatten (auch wenn ich sie nicht wählen würde) immerhin einige Wochen ein Zwischenhoch in dem Umfragewerten, waren zeitweise stärkste Kraft.
Doch der Wahlkampf nach US-Vorbild (#schlammschlacht) tut alles, um den Status Quo zu erhalten. Man möchte brechen, wenn man die aktuellen Rezo-Videos gesehen hat und danach feststellen muss, dass Union und SPD nach wie vor von Großteilen der Bevölkerung als wählbar angesehen werden. Einfach traurig.

Es gibt einfach zu viele Alte, die stumpf immer dasselbe wählen. Was tut man also, wenn die Lage einigermaßen hoffnungslos ist? Genau, man sucht Zerstreuung.

Gut Gepaddelt

Diese bietet immer mehr auch wieder König Fußball. Nach dem für viele überraschenden Klassenerhalt der Arminia in Liga 1, nimmt es das Gummiboot also erneut mit den stark motorisierten Motorbooten auf. Inzwischen dürfen auch stetig wieder mehr Fans zurück in die Stadien, in Hamburg und Bremen etwa dürfen die Clubs unter 2G sogar wieder die volle Auslastung fahren. Ein weiteres Stück Normalität kehrt also zurück. Auch wenn sich Ultra-Gruppierungen und andere Teile der Fanszenen im ganzen Land völlig unnötigerweise massiv darüber aufregen nach dem Motto „alle oder keiner“ – ganz ehrlich, dann lasst euch halt endlich impfen, ihr Spackos, dann ist der ganze Spuk auch schneller vorbei (siehe Dänemark). Außerdem stört mich persönlich ein temporäres Fernbleiben der Ultras überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich finde es angenehm, endlich mal nicht 90 Minuten Dauer-Singsang der ewig gleichen Lieder ohne Bezug zum Spielgeschehen hören zu müssen.

Meine Angst vor einem erneuten Ausfall des Besuchs der Arminia-„Heimspiele“ in der Hauptstadt (konnte ja niemand erahnen, wie sich die vierte Welle entwickeln würde) wurde über die vergangenen Wochen immer kleiner. Nun sollte K1, nachdem sie den Testlauf in der Regionalliga (s.o.) bestanden und Lust auf mehr hat, ihre erste Block-Erfahrung machen. Ich war schon sehr gespannt, wie das laufen würde. Doch wie es mit Kindern immer so ist: planen kannste da nix! Während unseres zweiten Ostsee-Trips am vorherigen Wochenende bekam sie plötzlich Husten, über die Woche kam auch noch Schnupfen dazu. Also konnte sie am Ende doch nicht mit und ihr erster echter Kontakt zu Arminia muss vorerst weiter warten.

Es reicht

Nicht mehr lange warten muss hingegen ich und zwar auf meine bevorstehende OP. Ich will nicht sagen, dass ich mich darauf freue, aber die Aussicht auf das höchstwahrscheinliche Ergebnis des Eingriffs beruhigt mich durchaus ein wenig. Zwei Kinder sind mir definitiv genug, deshalb wird meinen kleinen Schwimmern bald der Weg versperrt.

Seit Mama Planlos und ich uns kennen, haben wir viele Verhütungsmethoden probiert. Wirklich überzeugen konnte keine, alle hatten irgendeinen Haken.
Kondome: rauben den Spaß
Hormon-Spirale: raubt die Libido
Pull-Out-Methode: raubt die Kontrolle

Den Klassiker „die Pille“ gab es natürlich auch. Doch die Nebenwirkungen, die Mama Planlos dabei oft hatte, standen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Und damit ist sie in riesiger Gesellschaft. Denn ganz grundsätzlich werden bei der Pille unzählige Begleiterscheinungen billigend in Kauf genommen, die (besonders bzgl. ihrer Häufigkeit) bei anderen Medikamenten oder zB auch bei der „Pille für den Mann“ bereits eine Markteinführung verhindern (würden).

Zusätzlich ist es objektiv einfach unfair, Verhütung allein der Frau aufzubürden. Es gehören ja immer zwei dazu, wenn ein Reproduktionsakt „erfolgreich“ verläuft. Doch viele Optionen hat Mann hier leider nicht. Wenn man Kondome nicht nutzen möchte, bleibt einem eigentlich nur die Entscheidung „ganz oder gar nicht“.

Endgültig

Relativ bald nach der Geburt von K1 habe ich mich dem Thema Sterilisation befasst. Mir wurde recht schnell klar, dass mein Nervenkostüm nicht für schreiende Kinder ausgelegt ist. Auch macht es das Alter, in dem viele (auch wir) heutzutage Kinder bekommen, nicht gerade einfacher, das alles körperlich zu meistern. Unsere Eltern-Generation war im Schnitt 10 Jahre jünger bei der Geschichte und entsprechend natürlich auch noch mehr „im Saft“.

Wäre es nach mir gegangen, hätte ich den Schritt womöglich schon früher unternommen. Das Risiko, ein zweites Kind könnte zu Beginn ähnlich nerven- und kräftezehrend werden, wie K1 (bzw. offenbar dauerhaft, wie wir inzwischen immer mehr realisieren), versetzte mich in Panik. Dennoch hat es die Frau geschafft, mich gerade solange davon abzuhalten, bis Nummer 2 dann unterwegs resp. nun einige Monate bei uns war.

Aber jetzt ist Schluss! Wenngleich K2 bisher zweifelsohne deutlich pflegeleichter ist – mehr Stress und Arbeit sowie weniger Schlaf und Energie haben wir ja trotzdem. Und die Grenze des für uns Machbaren ist auf jeden Fall erreicht bzw. manchmal bereits überschritten. Deshalb hat mich die Kindesmutter selbst inzwischen mehrmals gefragt, wann denn der Termin ist 😉

Kinder sind toll. Manchmal. Aber manchmal eben auch nicht. Und ja, so eine OP ist eine im wahrsten Sinne einschneidende Entscheidung. Allerdings heutzutage mehr denn je ein Routine-Eingriff. Eine halbe Stunde Narkose, 1-2 Tage schonen, fertig. Es gäbe sogar die Möglichkeit, das rückgängig zu machen, was jedoch teuer und nur bedingt erfolgversprechend ist. Auch deshalb sollte man sich dabei sicher sein, klar.

Doch ganz egal, was kommen mag: weitere Kinder möchte ich nicht. Von daher ist die Sache für mich einfach. Obgleich ich im Zuge meiner Recherche zu dem Thema von einigen Seiten gehört habe, dass manche sich Gedanken bzw. Sorgen um ihre Männlichkeit machen. Dann fragt man sich das logischerweise auch selbst, hört in sich hinein. Und dazu kann ich nur sagen: Bullshit!

Usa Network GIF by Suits

Wenn man überhaupt „die Männlichkeit“ definieren kann (ich kann das so pauschal jedenfalls nicht), dann ist sie sehr individuell. Jeder kann darunter etwas anderes verstehen. Sie jedoch daran aufzuhängen, ob man Kinder machen kann, ergibt aus meiner Sicht null Sinn. Vor allem, wenn man bereits Kinder hat, ist das völlig irrelevant. Man hat es ja bereits „erledigt“.
Der wunderbare Moritz Neumeier hat das in seinem Buch „Urlaub trotz Kindern“ kürzlich sehr schön formuliert, als er sinngemäß meinte „Mein Penis hat drei Kinder gezeugt, der ist über jeden Zweifel erhaben.“

Letztlich freue ich mich auch einfach darauf, zukünftig sicher sein zu können, dass nicht zB in 10 Jahren plötzlich ein „Unfall“ unser Leben komplett auf den Kopf stellt. Die Gefahr bestünde durchaus, war doch bisher bei mir jeder Schuss ein Treffer. Bald gibts nur noch Platzpatronen, yeehaw!

Es ist nicht alles schlecht

Nach Jahren (immerhin liegen ein Jahreswechsel und drum herum mehrere Monate dazwischen) ist endlich mal wieder ein neuer Blog-Beitrag fertig.  Themen haben sich natürlich in dieser Zeit viele angesammelt. Längst nicht alle konnte ich hier verwursten, entweder aus Zeit-, Lust- oder Platzmangel. Es dominiert nach wie vor das bekannteste Bier Mexikos unser aller täglich Leben, die deutsche Politik kommt damit immer schlechter klar, aber immerhin hält einen das private Leben dennoch auf Trab.

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…und einen Lockdown Light bitte!

Die Pandemie-Lage hat sich in den vergangenen Monaten eigentlich kaum verändert. Also gemessen am typischen jahreszeitlichen Wechsel. Ein Sommer, der sich gegen Ende trotz Corona beinahe schon „normal“ anfühlte, ging langsam in den Herbst über. Und mit dem Herbst kommt ja traditionell die Erkältungszeit. Gleichzeitig steigen auch die Infektionszahlen von Covid-19 wieder an – Überraschung! Dafür gibt es diverse Gründe, u.a. dass inzwischen viel mehr Menschen getestet werden als noch vor einigen Monaten. Jedenfalls kam etwa die Regierung hier in Berlin ihrer Meinung nach den Behörden der anderen Bundesländer nur etwas zuvor, als sie die Corona-Maßnahmen bereits im Oktober wieder verschärft hat. Mit dem Lockdown Light hat sich das nun bestätigt.

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Lockdown Review

Corona, Corona, Corona. Wohin man schaut, überall ist das Virus Thema Nummer eins. Und da es quasi jeden Lebensbereich auf den Kopf stellt, blieb zuletzt nur wenig Zeit, das Erlebte hier nieder zu schreiben. Hier also ein kleiner unvollständiger Roundup der vergangenen Monate.

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Der Urlaub in Zeiten des Corona

Die Welt ist verrückt geworden. Durch das Coronavirus wird einem das gerade überdeutlich vor Augen geführt. Und obwohl Familie Planlos sich von derlei Hysterie idR nicht anstecken lässt, beschäftigte die ganze Geschichte auch uns zuletzt gedanklich enorm. Durch das Erreichen einer „ihr-könnt-uns-alle-mal“ Haltung konnten wir dem Chaos immerhin kurz entfliehen. Leider deutlich kürzer als erhofft.

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Echt jetzt?

Inkompetenz kommt in den unterschiedlichsten Bereichen vor. Beispielsweise bei Politikern, die erstens fachfremd sind (zB die Mediziner-Uschi als Verteidigungsministerin) und zweitens hauptamtlich Mist verzapfen. Ebenfalls unfähig scheint leider oftmals auch Mutter Natur. Wie sonst lässt sich das Fehlen funktionsfähiger Abwehr-Mechanismen gegen diverse Krankheiten im menschlichen Körper erklären? Und auch über Unternehmen, bei denen man sich regelmäßig fragt, wie sie über lange Zeit überhaupt am Markt bestehen, kann man nur den Kopf schütteln.

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Winterblues vs. Terminkalender

Die Tage und Wochen vergehen gerade wieder sehr schnell. Gestern war noch Silvester und schwupps ist Mitte Februar. Einmal mehr hat wohl ein ziemlich voller Wochenend-Terminkalender dabei seine Hand im Spiel. Gefühlt steht wirklich immer irgendwas auf dem Programm. In der kalten Jahreszeit ist das aber sicherlich gut so. Denn dem rastlosen Nachwuchs wird zu Hause immer schneller langweilig, weshalb es immer neue Beschäftigungsalternativen gibt.

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Same shit, different decade

Erstmals habe ich wirklich Probleme, die Zeit für einen Artikel zu finden. Dezember und Januar waren picke-packe-voll, auch auf der Arbeit gab es viele Überstunden. Freizeit war rar gesäht. Die Weihnachtspause bot ebenfalls wenig Gelegenheiten bzw. soll man sich ja auch mal wirklich eine Auszeit gönnen (sofern das geht, dazu später). Ob dieser Beitrag also aus dem Muster „mindestens einer im Monat“ heraus fällt, wird sich am Ende zeigen. Ein paar Themen gibt es ja trotzdem.

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