The trend is your friend

Ich behaupte, diese Börsenweisheit, die einem im Wirtschafts-Studium gleich zu Beginn über den Weg läuft und die auch mein persönlicher Wertpapier-Guru Stefan früh in seinem Blog aufgegriffen hat, lässt sich auf Bereiche des täglichen Lebens übertragen. Naja, zumindest hoffe ich das. Denn bei zwei aktuellen Statistiken wäre das durchaus wünschenswert.

Da hätten wir zunächst das Thema, das seit Jahren sehr viele Menschen beschäftigt, einfach weil es so ziemlich jeden betrifft: Der Preis des Wohnens. Dessen Entwicklung geht seit Jahren ausschließlich in eine Richtung, nach oben. Dazu exemplarisch der Trend des Mietpreises in Deutschland über die letzten 22 Jahre.

Schade, dass die Löhne nicht genauso stetig wachsen

 

Betrachtet man überdies die parallele Entwicklung der Immobilienpreise, fällt besonders seit 2010 das rasante Wachstum auf.

Die Kurve bezieht sich auf ganz Deutschland

Nun könnte man natürlich sagen, dass es nicht unbedingt clever war, in einer solchen Boom-Phase Eigentum anzuschaffen. Doch wie sagt das Titel-gebende Sprichwort: die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich solch ein Trend fortsetzt. Zumindest höher, als dass er sich umkehrt.

Alles richtig gemacht?

Trotz dessen, dass sich ein Hauskauf vor einigen Jahren noch deutlich mehr gelohnt hätte, haben wir anscheinend noch immer rechtzeitig zugeschlagen. Das lässt sich jedenfalls annehmen, wenn man die erste der anfangs erwähnten Statistiken zu Rate zieht.

Demnach war die Preissteigerung bei Immobilien im letzten Jahr zum Teil noch weit höher, als es die gesamtdeutsche Entwicklung wider gibt. Zum Glück haben wir eher zu Beginn des Jahres gekauft, denn die Steigerung gilt besonders für Berlin. Dort lag sie nämlich sogar weltweit an erster Stelle mit über 20% – in einem Jahr! Auch Hamburg, München und Frankfurt schaffen es in dieser Statistik in die Top 10.

Irgendwann wird sicherlich auch dieser Trend abflachen oder sich auch mal kurz nach unten bewegen. Aber sofern er sich langfristig so entwickelt wie zuletzt, war unser Ausstieg aus der Miet-Spirale genau richtig.

Forever ever

Der zweite, nicht minder interessante Trend, der aktuell Anlass zur Freude bietet, bezieht sich nicht den schnöden Mammon. Viel mehr geht es dabei um eine überraschende, aber umso erfreulichere Trend-Wende im Zusammenleben von Paaren.

Was für die Generationen unserer Eltern und Großeltern gefühlt selbstverständlich war, schien im Lauf der letzten 20 Jahre immer mehr an Bedeutung zu verlieren – die ewige Bindung. Die Scheidungsrate stieg rapide an, bis vor etwa 10 Jahren mehr als jede zweite Ehe irgendwann beim Anwalt endete. Keine guten Zeiten, um sich das Ja-Wort zu geben.

Mama Planlos und ich lernten uns genau zu dieser Zeit kennen. Damals hatte so ziemlich jeder von der Statistik gehört, sie war in den Medien häufig präsent. Und so wundert es kaum, dass dieses Gesprächsthema auch zwischen meiner heutigen Gemahlin und mir relativ früh aufkam.
Wir waren beide nicht unbedingt aufs Heiraten aus. Klar, ist man zu Beginn einer Beziehung ja ohnehin eher selten. Da gab es andere Prioritäten 😉

Aber auch, wenn wir mal etwas ernsthafter darüber sprachen, waren wir uns angenehmerweise einig, dass eine Ehe grundsätzlich keine besonders hohe Priorität für uns hat. Zusammenleben kann man auch so, ohne Trauschein.

So dachten glaube ich viele in diesen Tagen und manche tun es bis heute. Und daran ist nichts falsch. Möglicherweise lag und liegt diese Denke ein bisschen daran, dass man eben mit der genannten 50%-Rate im Hinterkopf langsam in das traditionelle Heiratsalter kam. Dies hatte sein Minimum Mitte der 70er, also um die Zeit als unsere Elterngeneration ihre Familienplanung begann. Und das wurde einem ein Leben lang vorgelebt, da macht man sich natürlich irgendwann Gedanken, wenn auch zum Teil unbewusst.

Frisch Vermählte werden immer älter

Mama Planlos und ich waren aber nicht nur bzgl. einer möglichen Eheschließung einer Meinung, sondern betrachteten die ganze Thematik allgemein recht nüchtern. „Ewige Liebe“? – kommt vor, aber eben nur in jedem zweiten Fall. Wir hatten beide unsere Vorgeschichten in puncto Partnerwahl inkl. zugehöriger Enttäuschungen, was  unsere Vorstellungen auf die Idee einer „Beziehung“ weitestgehend objektivierte. Irgendwie konnten wir unsere Gefühle gut ausklammern, wenn es um Diskussionen für die gemeinsame Zukunft ging. Ich mochte und mag diesen Realismus bei meiner Frau sehr gerne und hoffe, dass sie ihn auch bei Baby Planlos mitunter mal anwendet (denn hier kontrollieren nach wie vor fast ausschließlich die Hormone ihr Handeln).

Jedenfalls scheint es auch bei diesem Thema einen schönen Trend zu geben, von dem wir hoffentlich ebenfalls profitieren werden. Die Trennungsrate sinkt in Berlin seit Jahren stetig, trotz einer ungebrochen hohen Zahl an Eheschließungen. Inzwischen liegt die Rate „nur noch“ bei knapp 32%, Tendenz weiter fallend.

So darf es weitergehen

Bleibt zu hoffen, dass sich diese Entwicklung tatsächlich beständig fortsetzt und die Rate weiter sinkt. Nicht, das Mama Planlos und ich irgendwelche Bedrohungen unseres Familienglücks sähen. Aber als statistisch geprägtem BWLer beruhigt es mich einfach, wenn eine potentiell bedrohliche Kennzahl möglichst niedrig ist. Wie gesagt: the trend is your friend – vor allem wenn er in die richtige Richtung geht…

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