Always look on the bright side of life

In der Woche vor Ostern hatte ich frei. Eigentlich nur, um auch die letzten übrig gebliebenen Urlaubstage vom Vorjahr noch rechtzeitig vor ihrem Verfall zu nutzen. Vermutlich hätte ich sie sonst nicht genommen, aber zu verschenken haben wir ja nix. Dass sie am Ende genau in dieser Zeit dringend benötigt wurden, war dann erst kurzfristig absehbar.


Nachdem Mama Planlos mit dem Baby auf einem Krabbelgruppen-ähnlichen Treffen war, hatte sich die Kleine die gefühlt 63. Erkältung in den letzten 3 Monaten eingefangen. Pünktlich zum ersten Urlaubstag ging dann bei ihr die Rotzerei wieder los, begleitet von mittelschwerem Fieber. Hinzu kam, dass der kleine Schreihals zuletzt ohnehin wieder sehr unregelmäßig schlief und sich z.B. den Nickerchen am Vor- und Nachmittag komplett verweigerte. Auch mittags beschränkte sich das Schläfchen oft auf maximal 30 Minuten. So war sie logischerweise den ganzen Tag über total müde und entsprechend unausgeglichen. Dass sie abends dann auch nie richtig einschlafen wollte, rundete die Sache passend ab.

Mama Planlos war durch das inzwischen wochenlange Schlaf-Chaos langsam am Ende ihrer Nerven und Kräfte angekommen. Nicht selten riss ihr auch mal der Geduldsfaden und sie schimpfte mit dem Baby, weil es mal wieder nicht zu beruhigen war. Natürlich ist das nicht richtig. Das weiß sie selbst am besten und es tut ihr kurz darauf auch immer unendlich leid. Denn das Baby kann ja nur bedingt etwas dafür, wenn es schreit. Doch ich denke alle Eltern können diesen Drang nachempfinden, der sich mitunter durch eine enorme irrationale Wut auf den Nachwuchs aufbaut. Dass man ihm nicht immer standhalten kann ist menschlich, weshalb dies auch niemand verurteilen kann. Mütter und Väter, die diesen Drang nicht verspüren, haben entweder extremes Glück mit gänzlich anspruchslosen und völlig entspannten Kindern, oder sie lügen.
Kleine Kinder sind einfach immer unglaublich anstrengend, doch wie weit das tatsächlich geht, ahnt man vorher nicht.

Hilflos in Berlin

Das Schlimmste an der Situation war und ist aber, dass ich Mama Planlos fast gar nicht helfen kann. Ich kann sie bei der Kleinen momentan kaum unterstützen. Die anfängliche Fixierung auf die Mutter (siehe hier und hier) hatte sich bei Baby Planlos gefühlt ein wenig gelegt und sie war auch bei mir mal etwas länger fröhlich und bespaßbar. Seit ein paar Wochen geht diese Entwicklung leider wieder in die ursprüngliche, falsche Richtung. Des Babys Fokus liegt einmal mehr ausschließlich auf der Mutter. Und zwar anscheinend nochmal etwas mehr als zuvor.
Innerhalb von Sekunden-Bruchteilen ändert sich ihre Stimmung von „1 mit Sternchen“ zu „ich hasse diese grausame Welt“ und das nur dadurch, dass Mama Planlos aus ihrem Blickfeld verschwindet. Selbst wenn sie nur für ein paar Augenblicke in die Küche oder ins Bad geht, sobald das Baby sie nicht mehr sehen kann gibt’s Alarm. Dass sie währenddessen zwischen all ihren Spielsachen unter ihrem Spielbogen liegt und ich auch noch direkt neben ihr liege, ist dabei völlig egal. Da kann ich dann auch machen was ich will, die einzige Möglichkeit sie zu beruhigen ist, wenn man sie auf den Arm nimmt und der Mutter hinterher trägt, so dass sie sie jederzeit im Blick hat.

Das Ganze ist natürlich nicht nur blöd für mich, weil es nicht gerade eine große Wertschätzung meiner Person darstellt. Es ist für Mama Planlos ungleich blöder. Denn sie kann einfach gar nichts alleine machen. Immer muss das Baby dabei sein. Wenn es nicht schläft (also quasi immer außer teilweise nachts), kann sie es kaum für länger als ein halbes Stündchen bei mir lassen. Nicht, weil ich auf den Krümel nicht aufpassen, sie füttern, wickeln oder sonstwas könnte, sondern weil die Lütte spätestens nach 30 Minuten Krawall macht, wenn die Mama nicht anwesend ist.

Vor ein paar Wochen waren wir zur Beratung im Familienzentrum, in dem Mama Planlos auch den PEKiP-Kurs macht, um uns Tipps zu dieser Problematik geben zu lassen. Am Ende gingen wir aber auch dort nur mit guten Wünschen und der Aussicht raus, dass sich das erfahrungsgemäß irgendwann von selbst erledigt. Kinder wenden sich eines Tages immer auch dem Papa zu und gleichzeitig etwas von der Mama ab. Man dürfe bloß nicht aufhören, es (also die Gewöhnung an andere Menschen als die Mama) weiter zu versuchen. Das sagt sich leicht, wenn man dabei nichts als lautstarken Protest erntet.

Entsprechend war die vor-österliche Woche alles, aber kein Urlaub. Geschlafen hat das Baby wenig, die Eltern noch weniger und die neuerliche Erkältung, erst bei der Kleinen und dann auch bei mir, tat ihr übriges um meine freien Tage so wenig entspannend wie möglich zu machen. Da waren wir ernsthaft froh, als es an Karfreitag wieder zu Oma und Opa ging, obwohl das Reisen mit unserem Brüll-Würfel nach wie vor riskant und nicht selten stressig ist.

Zum Eierfest gen Westen

Wir nahmen diesmal auch nach Magdeburg, wie zuletzt nach Oeynhausen, die Bahn. Allerdings keinen IC, sondern einen Regionalzug. Dass das gut ging, war reine Glückssache. Denn erwartungsgemäß war der Zug an diesem Feiertags-Morgen hoffnungslos überfüllt. Ein bunter Querschnitt der Berliner Bevölkerung begab sich offenbar kollektiv auf Völkerwanderung. Die Gänge und Treppen waren von sitzenden Mitfahrern belegt, die sich Tetris-mäßig um die unzähligen Kinderwagen und Fahrräder platziert hatten.

Allerdings bekamen wir von der Überfüllung angenehmerweise nur wenig mit, da wir noch vor den Halten Friedrichstraße und  Hauptbahnhof quasi im fliegenden Wechsel zufällig genau dort, wo wir gerade eingestiegen waren, die Sitzplätze eines Vaters und seiner zwei Sprösslinge übernehmen konnten, die aussteigen wollten. Schwein gehabt.

Baby Planlos war die Fahrt über gut zufrieden. Wie immer, wenn viele neue Gesichter zu bestaunen sind. Die Mädchen der Familie hinter uns hatten zudem auch ihren Spaß daran, unsere Kleine zu beschäftigen. Und als deren Mama auch noch anfing, die Kinder aus Bullerbü vorzulesen, war meiner Frau ihre Notdurft kurzzeitig egal und sie lauschte selig den Geschichten aus Südschweden.
Zwei Stunden dauerte die Fahrt. Hauptsächlich, weil die Bimmelbahn in jedem Kaff mit mehr als 10 Einwohnern anzuhalten schien. Aber so bekam man auch Spandau mal aus der Nähe zu sehen 😀

Globale Erwärmung

In Magdeburg angekommen, wurden Freitag Mittag und Nachmittag für ausgiebige Spaziergänge genutzt. Einmal mit Oma und Opa über die Diesdorfer Felder (die nach Insider-Informationen wohl in absehbarer Zukunft großflächig bebaut werden sollen) und einmal mit Mama Planlos‘ Jugendfreundinnen inkl. Anhang durch Barleben. Das Wetter musste genutzt werden, denn für Samstag war Unheil in Form von abermals eisigen Temperaturen voraus gesagt. Und so kam es dann auch: pünktlich zum Frühstück kam der Schnee. Zum Glück ist das Baby noch zu klein zum Eier suchen…

Todesmutig schnappten wir uns dennoch das schwiegerelterliche Auto und machten uns auf den Weg in die City, wo wir die Freunde von neulich erneut trafen. Diesmal zum Kaffee im Einkaufszentrum und vollzählig, sprich Papa und der wieder genesene Sohnemann waren diesmal auch dabei.

Letzterer war an diesem Tag ein kleines Paradebeispiel für die allseits bekannte Trotzphase. Mama Planlos war leicht verschreckt und wünscht sich seitdem, dass unser Baby möglichst lange ein Baby bleiben möge. Es wäre ja eigentlich doch so pflegeleicht.
Es ist interessant, wie sehr die Frau teilweise an verzerrter Wahrnehmung leidet. Ihre Hormone machen offenbar noch immer, was sie wollen und Objektivität fällt ihr manchmal etwas schwer. Mal schauen, ob sich das irgendwann wieder normalisiert.

Anschließend gab es lecker Mittag bei Babys Großeltern (unter anderem mit einem der leckersten Steaks, die ich je gegessen habe!), bevor es zum nächsten Kaffee zur Uroma ging. Dort trafen wir außerdem der Mutter Cousine, auf deren Geburtstag wir letztes Mal waren. Fun fact: sowohl die beiden, als auch ihre kleinen Töchter liegen relativ genau ein Jahr auseinander.

Den Abend ließen wir dann gemächlich bei einem Film ausklingen, während Baby Planlos bereits schlief. Merkwürdigerweise klappte das dieses Mal ziemlich gut. Wir hatten zwar die Matratzen vom Klappsofa auf den Boden verfrachtet in der Hoffnung, angenehmer schlafen zu können. Das ging auch einigermaßen auf. Dass allerdings auch das Baby größtenteils ruhig schlummerte, war ob der vorangegangenen Woche dann doch eine Überraschung. Aber die nahmen wir natürlich gerne mit.

Kurz nach dem sonntäglichen Frühstück traten wir alle zusammen in Omas und Opas Familienkutsche den Weg zurück an. Sie wollten uns auf dem Weg zur Uroma nach Oranienburg zu Hause raus werfen, was auch super klappte. Sowieso hatte Baby Planlos auch die beiden vorherigen Tage beim Autofahren kaum gemeckert, jedenfalls deutlich weniger als zuvor. Offenbar Hoffentlich gewöhnt sie sich so langsam daran.

Finger im Po, Mexiko

Leider war das Wetter noch immer scheußlich und wir kamen bei Schneeregen und Windböen daheim an. Mutter und Kind blieben auch deshalb den Rest des Tages zu Hause, obwohl sich speziell Mama Planlos seit Tagen auf das Essen beim Mexikaner gefreut hatte, zu dem uns unser finanzstarker Freund Stefan anlässlich seines Geburtstages eingeladen hatte (als Geschenk habe ich ihm passend zur Wahl der Futter-Location eine Flasche Mexi gemixt). Hinzu kam, dass die Nachwüchsige nach zwei für sie aufregenden Tagen doch einiges an Schlaf nachzuholen hatte und daher über die Mittagszeit im Reich der Träume weilte. Und man weckt halt einfach keine schlafenden Kinder. Niemals.

So machte ich mich also allein auf den Weg zur Karl-Marx-Allee, um dem mittelamerikanischen Schmaus beizuwohnen. Für die Frau brachte ich eine der aztekischen Spezialitäten mit nach Haus. Dass diese bis zu meiner Rückkehr bei Orkan und 2 Grad Außentemperatur ziemlich sicher kalt werden würde, war ihr egal. Sie hatte einfach Bock drauf. Verständlich.

Die Wende?

Leider war Baby Planlos nach der Mittagsruhe alles andere als entspannt und verbrachte den restlichen Sonntag damit, Terror zu verbreiten. Als ich durch die Haustür schritt, konnte ich sie durch zwei geschlossene Türen eine Etage höher auf dem Wickeltisch hören. Die Erkältung war wohl noch nicht ganz abgeklungen. Aber wenn man davon ausgeht, dass sie mich angesteckt hat und demnach dieselben Probleme hat, die ich zeitgleich hatte, dann sei ihr das Geschrei ausnahmsweise erlaubt. Denn auch wenn dieser Virus einen nicht komplett flachlegte, die verstopften Atemwege waren schon ganz schön unangenehm. Die Nebenhöhlen waren so voll, dass der Schmerz bis auf den Kiefer ausstrahlte. Da ist die Gefahr einer Lungenentzündung nicht weit. Und wenn man ein Baby ist, das den Rotz noch nicht aktiv aus der Nase heraus pusten kann, wird das sicherlich kaum angenehmer.

Zum Glück hatte Petrus nach Ostern ein Einsehen und zog seine Schnee- und Eis-Kanonen allmählich zurück. Stattdessen wurde das Wetter fortan immer besser mit viel Sonne und teilweise deutlich über 20 Grad. So wie Frühling eigentlich sein sollte. Das kränkelnde Baby erholte sich zusehends und es besteht Hoffnung, dass diese elende Grippewelle nun endlich vorüber ist. Es wäre mal langsam Zeit!

Ein Gedanke zu “Always look on the bright side of life

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