Besinnlichkeit kennt keine Grenzen

Alle Jahre wieder ist es soweit. Das Fest der Liebe wirft schon Wochen und Monate vorher seine dunklen Schatten voraus, etwa indem ab September die Supermarkt-Regale mit Lebkuchen und Spekulatius gefüllt sind. Viele Menschen haben Weihnachtstraditionen, die sie pflegen. Manche gehen gerne auf den Weihnachts-/Winter-/Glühwein-Markt. Andere dekorieren ihre Häuser, Balkone oder Gärten mit tausenden bunter Lichter und Plastik-Rentieren. Und selbst ich habe eine spezielle Weihnachts-Tradition.

Vorweg: ich mag Weihnachten nicht sonderlich. Nicht mehr. Viele Begleiterscheinungen dieses Festes kann ich partout nicht nachvollziehen und darüber einfach nur den Kopf schütteln. Die Kirche z.B. ist mir das ganze Jahr über ein großes Rätsel bzw. ein Dorn im Auge und viele andere Menschen denken offenbar ähnlich. Doch einmal im Jahr pilgern viele von ihnen dann trotzdem dorthin. „Macht man halt so, ist Tradition.“ – so ein Quatsch. Auch jeglicher Dekoration, Musik und angeblicher Besonderheit der weihnachtlichen Thematik stehe ich kritisch oder missgünstig gegenüber. Deshalb bin ich für Mama Planlos, wohl nicht ganz zu Unrecht, seit wir uns kennen einfach der Grinch. Und möglicherweise gibt es tatsächlich mehr Parallelen zwischen mir und dem grünen Bösewicht, als sie denkt. Denn das Ende der Geschichte wird eigentlich immer unterschlagen bzw. vergessen.

Früher fand ich das (zweit-)höchste Fest des Christentums toll und habe auch quasi jeden Blödsinn drum herum bereitwillig mitgemacht bzw. mich teilweise auch daran erfreut. Denn in meiner Kindheit/Jugend war das bei uns zu Hause wirklich noch dieses klischeehafte Familienfest. Da kam man zusammen und gab sich gefühlt alle 2-3 Stunden gemeinsam der absoluten Völlerei hin, während man mit allemann um eine große Tafel saß. Oma und Mutter kochten die tollsten Sachen und es war einfach schön, in großer Runde beisammen zu sein. Und vielleicht spielten auch vereinzelt Geschenke eine untergeordnete Rolle.
Doch spätestens seit mein Opa vor 12 Jahren gestorben ist, gab es diese Tradition nicht mehr. Die Familienteile zerstritten sich, und einige Jahre später gab es dann zu Weihnachten „nur noch“ meine Eltern, meine Schwester und mich, die von damals übrig waren. Heutzutage essen wir zu Weihnachten zwar nach wie vor zusammen, aber das Gefühl von damals ist weitestgehend weg. Jedenfalls bei mir.

Doch vielleicht kommt es ja in den nächsten Jahren zurück. Mit Baby Planlos kam so etwas wie eine leise Hoffnung zu mir zurück. Denn eigentlich mochte ich Weihnachten ja mal und würde es gerne wieder tun. Das große Familienfest von früher wird es eventuell nicht wieder werden, denn dafür sind die Entfernungen zwischen den Familienteilen einfach zu groß. Seinerzeit wohnte meine Familie im Umkreis von maximal 10 Kilometern. Heute sind es knapp 400. Doch wer weiß, was die Zukunft bringt. Mein Neffe ist bald 2 und und meine Schwester plant offenbar, ihm eine ähnliche Weihnachtstradition beizubringen, wie wir sie damals gelernt haben. Auch Mama Planlos hätte sicherlich nichts dagegen, wenn es bei uns so kommen würde.

Heutige Tradition

Meine derzeitige Tradition teile ich mit einigen Bekannten und womöglich noch mit vielen weiteren Leuten. Pünktlich zu den Feiertagen beginnt seit Jahren eine ausgewachsene Erkältung Männer-Grippe meinen Körper nieder zu strecken. So auch dieses Jahr. Heiligabend ging es los und am ersten Weihnachtstag lag ich dann flach. Schön mit allem drum und dran, wie es sich für ein ordentliches Weihnachtsgeschenk gehört. Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen, dazu etwas Fieber und fertig ist die Festtags-Mischung.

Da wir dieses Mal unsere Premiere als weihnachtliche Gastgeber für die Familie gegeben haben, kam das ganze besonders gelegen. Ich verbrachte die Feiertage also größtenteils auf der Couch und verfolgte von dort aus unter anderem, wie Neffe Planlos seine mitgebrachten Spielzeug-Massen nicht unbedingt lautlos im Wohnzimmer verteilte.
Mama Planlos musste sich derweil nahezu allein um die Verpflegung der hungrigen Meute kümmern. Zugegeben, das wäre vermutlich auch nicht so sehr anders gelaufen, wäre ich gesund gewesen :-D.

Ein Unglück kommt selten allein

Aber nicht genug mit meiner Krankheit. Wenige Tage vor Jesus‘ Geburtstag erhielten wir die Nachricht, dass Oma und Opa Planlos leider doch nicht kommen können, da Opa ins Krankenhaus musste. Inzwischen ist er längst wieder zu Hause und den Umständen entsprechend wohlauf, aber das Timing hätte schlechter nicht sein können. Das Futter hatten wir tags zuvor gerade bestellt und so war entsprechend einiges im Überfluss vorhanden. Doch das ist ja an Weihnachten eigentlich sowieso normal.

Nebenbei war wenige Tage vor dem langen Weihnachts-Wochenende seitens der Telekom ein Termin angesetzt worden, an dem ein Techniker bei uns nach Monaten endlich den Internet-Anschluss freischalten sollte. Unsere Hoffnung lebte, dass wir rechtzeitig vor den Tagen mit der Verwandschaft wenigstens die Grundversorgung an WLAN würden anbieten können.
Doch, man ahnt es, daraus wurde natürlich auch nichts! Die Absage des Donnerstag-Vormittag-Termins kam am Mittwoch Abend um 19.00h. Damit schlug die Telekom in der Kategorie „Kurzfristigkeit einer Terminabsage“ IKEA noch einmal um einige Stunden, eine neue Bestmarke. Doch damit gaben sich die Bonner nicht zufrieden: der nächste Termin, angesetzt für den direkt folgenden Freitag (wieder vormittags von 8-13h) wurde natürlich ebenfalls abgesagt. Allerdings diesmal sogar erst am selben Tag um 09.00h! Ich vermute, die Techniker dort würfeln jeden Morgen erst aus, welche Routen sie fahren. Unfassbar.
Auf meinen erneuten Anruf bei der Hotline folgte zudem eine weitere Ernüchterung. Man könnte es auch Schock nennen, aber mittlerweile schockt mich bei den rosa Inkompetenzlern gar nichts mehr. Der nächste Termin, den sie uns anboten, sollte doch tatsächlich erst weitere 3 Wochen später stattfinden. Vorher gäbe es „keine Kapazitäten“. Erstaunlich, wie innerhalb eines Tages plötzlich Wochen im Voraus alles ausgebucht sein kann.

Inzwischen weiß ich wieder ganz genau, warum ich mir damals geschworen hatte, niemals Telekom-Kunde zu werden. Die haben schon den allerersten Internet-Anschluss in meinem Elternhaus komplett versaut mit Jahren voller Störungs-Stress, untauglicher Hardware (Stichwort Eumex) und nicht zu vergessen die traditionell höchsten Preise am Markt. Leider gab es seinerzeit noch nicht viele Alternativen. Und warum es heute dann doch anders kam, habe ich ja bereits erwähnt: für die nächsten 24 Monate sind sie leider doch der günstigste Anbieter. Was allerdings einzig an der 400€-Bonuszahlung für Bauherren liegt, die sie uns fürs Kunde-werden erstatten.

Zu guter Letzt hatten sich Mama und Baby Planlos selbstverständlich bei mir angesteckt. Zwar erst mit einigen Tagen Verzögerung, aber die Erkältungssymptome ließen auch bei den beiden nicht lange auf sich warten. Dazu gesellte sich eine neue mysteriöse Krankheit beim Nachwuchs, die sie veranlasste, einmal mehr aus allen Rohren zu feuern und am oberen und unteren Körperende alles rauszulassen. Sehr spontan und sehr intensiv, weshalb wir kurz vor Silvester ein weiteres Mal die Notaufnahme des Friedrichshainer Klinikums aufsuchen mussten.
Die bekanntermaßen faule Ärzteschaft nimmt sich ja über die Feiertage gerne mal geschlossen frei, so dass krank zu werden in dieser Zeit generell eine miese Idee ist, wenn man dabei einen Mediziner zur Diagnose und Behandlung benötigt. Speziell, wenn man ein Baby oder Kind ist.
Doch das konnte uns „glücklicherweise“ egal sein, da wir wie schon beim letzten Mal wieder mitten in der Nacht Hilfe brauchten.

#VeganLife #Nachhaltigkeit #ausdauer

Was dem Baby fehlt, konnten ins inzwischen 3 unterschiedliche Ärzte nicht sagen. Die Labor-Untersuchungen laufen noch und bisher gab es nur Vermutungen, was es sein könnte. Vorsorglich haben sie Mama Planlos aber erstmal auf Diät gesetzt. Nicht zum Abnehmen, sondern zum Ausschließen diverser möglicher Allergien beim Baby. Die Stillende darf nun auf unbestimmte Zeit diverse Lebensmittel nicht essen: Milch/Milchprodukte, Eier, Fisch, Soja, Nüsse. Also auch keine Schokolade, kein Käse, keine Kekse, usw. Und da sie sowieso schon vegetarisch lebt, fällt Fleisch ebenfalls raus.
Viel Futter bleibt der Frau also nicht. Als Veganerin auf Zeit muss sie im Grunde mit Nudeln, Obst, Gemüse und Brot auskommen. Und das für mehrere Wochen wenn nicht sogar Monate. Ein toller Start ins neue Jahr. Aber sie trägt es mit Fassung und macht das beste draus („Ich wollte ja sowieso immer schon mal testen, ob und wie vegane Ernährung bei mir klappen würde.“), auch wenn sie sich ihren Selbstversuch sicher anders vorgestellt hat.

Morgen ist der nächste Termin beim Kinderarzt. Ich habe aber irgendwie Zweifel, dass wir danach mehr wissen werden. Sonst hätten sie uns wohl vorab mal angerufen, denn die Ergebnisse liegen ihnen sicherlich schon vor. Baby Planlos hat nach wie vor, mittlerweile seit über einer Woche, Durchfall. Und die Schnodder-Nase wird auch kaum besser. Ansonsten geht es der Kleinen aber gut, sie hat äußerlich so gut wie keine Krankheitsanzeichen. Leicht merkwürdig, das Ganze. Womöglich werden wir nie eine konkrete Diagnose bekommen und die Symptome gehen irgendwann von alleine weg. Ein Hoch auf die moderne Medizin!

Die Mutter kränkelt auch noch immer vor sich hin. Und sogar meine Männer-Grippe will einfach nicht komplett verschwinden. 15 Tage geht das jetzt schon so. Zwar ist der Schnupfen mittlerweile bereits stark abgeschwächt, aber der Husten weigert sich hartnäckig, endlich mal abzuklingen. Langsam nervt es so richtig. Wir wären dann jetzt bereit für diesen Reset-Knopf, von dem zum Jahreswechsel immer geredet wird.

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